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Projekt/Project: Interaktive Vernissage
Kunde/Client: Audi Zentrum Frankfurt

Info Deutsch
Die Malerei, die Bildhauerei, die Fotografie, aber auch das Kino und Theater haben ein sehr ähnliches Ziel: Sie sind darstellende Künste, die ein Momentbild von Ereignissen erschaffen. Cem Yücetas´ neun Arbeiten aus der Serie Inkognito sind solche Darstellungen von Begebenheiten, in denen das Vorher und Nachher unsichtbar bleibt. Indizien für den Bezug zu einer kinematischen Narration sind der Aufbau der Szenerien im Allgemeinen, die Bewegungen der Figuren und die Parallele zur (erzählten) Geschichte, die jeweils verschiedene Stimmungen evozieren. So erscheint es irgendwie absurd, aber auch beunruhigend, wenn auf einem Tisch in einem Café mittels Brotfiguren und eine Szene arrangiert wird, die just im gleichen Moment vor der Glasscheibe auf der Straße, also in der Realität stattfindet.
Exemplarisch verweist diese Arbeit auf ein Kernmoment im fotografischen Schaffen von Cem Yücetas. Seine Aufnahmen oszillieren nämlich immer an der Grenze zwischen Dokument und Illusion, Authentizität und Vorstellung. Seine künstlerischen Inszenierungen über Schönheit, das Geheimnis im Alltäglichen und den Zufall sind bis ins hintergründigste Detail geplant und konstruiert: Er wählt den Ausschnitt des Bildes, legt den Standpunkt der Kamera und noch ein paar andere Aspekte fest: Die Art und Weise, wie die Schauspieler sich bewegen, mit welchem Farbmuster ihre Kleidung bedruckt ist oder wie das Licht einfällt – alles hat seine Rolle und Bedeutung. Aber einiges überlässt er auch dem Zufall, wie die Flugbahnen der durcheinandergewirbelten Papierzettel, die unerklärliche Bezeichnungen tragen und das reduzierte Bildgeschehen – eine Frau, die sich gegenläufig von einem davonfahrenden Sportwagen im Hintergrund abwendet – dramatisieren.
Gleichzeitig verleiht er seinen Werken eine malerische Präsenz und Poesie, mit der er eine gewisse Form von Manierismus in die Fotografie einführt. Diese Methode betreibt er bis zum Spiel mit kunsthistorischen Inhalten und Motiven, wie bei dem Foto mit fünf starken Frauen, die in ihren fließend grünen Gewändern über eine Treppe gleiten. In ambivalenter Verknüpfung von antik anmutenden Posen mit solchen aus der aktuellen Modefotografie ließ er sich hier von Eugène Delacroixs Türkischem Frauenraub inspirieren. In einer anderen Komposition bedient er sich der Wirkung von starken Hell-Dunkel-Kontrasten in der Tradition von Michelangelo, Caravaggio und Goya, um die laszive Darstellerin in der Badewanne geheimnisvoll auszuleuchten.

Info English
Painting, sculpturing, photography, but also the cinema and the theater have a very similar goal: They are performing arts and create a snapshot of an event or incident. The nine works by Cem Yücetas from his series are some of those representations of events in which the before, as well as the after remains invisible. Evidence of a relationship to a somewhat kinematic narration are the construction of the scenarios in general, the movements of the characters and the parallels to the story evoke different moods.
Exemplary, the works reference on a certain moment in Cem Yücetas’ photographic work. His images always oscillate mostly on the border between a documentation and a total illusion, authenticity and imagination. His artistic presentation about beauty, the mystery in everyday life and the so called coincidence is planned down to every subtle detail and constructed. At the same time he gives his works a scenic presence and poetry with which he introduces some form of mannerisms in the photograph.

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