nektar_2014_authenticum_03


Projekt/Project: Interaktive Vernissage
Kunde/Client: Audi Zentrum Frankfurt

 

Info Deutsch:
Den bloßen Augenblick mit fotografischen Mitteln einzufangen, auf diese rein dokumentarische Seite seiner Kunst beschränken sich die Arbeiten Cem Yücetas so gut wie nie. Fast immer konstruiert er mittels aufwendiger Inszenierungen Kompositionen von tiefgründiger Schönheit, die uns ihre eigene Realität vor Augen führen. Der Zufall des Moments bleibt dabei ausgeschlossen, nicht das untergeordnetste Detail ist in seinen digital montierten Bildwelten ungeplant: Mit dramatischen, an Gemälde Caravaggios oder George de la Tours erinnernden Hell-Dunkel-Kontrasten leuchtet Yücetas die Szenerie aus und legt den Fokus der Aufmerksamkeit fest. In der Positionierung der Akteure bis hin zu kleinsten Accescoires spielt er immer wieder mit der Ikonographie der europäischen Kunstgeschichte. Und mit Anspielungen auf die aktuelle Werbe- und Modefotografie wandelt er diese Zitate wiederum entscheidend ab und schlägt die Brücke zur eigenen Zeit.
Unter dem Titel „Autheticum“ präsentiert Cem Yücetas nun seine neuesten, vor allem mit gängigen Vorstellungen gesellschaftlicher Konventionen und Alltagshandlungen spielenden Fotoarbeiten. In den höchst aufwendig realisierten neun Simulationen möglicher Wirklichkeiten entwirft er ein Panoptikum grundsätzlich vorstellbarer, letztlich aber nur authentisch wirkender gesellschaftlicher Umgangsformen und Verhaltensweisen.
Eingebettet in Kulissen von makelloser Perfektion vermittelt sich die eigentliche Absurdität der davor ablaufenden Handlungen erst nach und nach: In Kombination mit der Selbstverständlichkeit, mit der die in Szene gesetzten Personen auftreten, ist es eben gerade die Vertrautheit und seriöse, Wohlstand und Sorglosigkeit suggerierende Ausstrahlung des Settings, das vom Ungewöhnlichen bis Verstörenden ablenkt. Eigentlich völlig fremde Handlungsmuster erscheinen so zunächst als echte Verhaltensformen.
Erst auf den zweiten Blick vermittelt sich hinter der Ästhetik des schönen Scheins dann nicht nur, dass die Protagonisten – jeweils in ihrer eigenen Realität gefangen – völlig aneinander vorbei agieren. Auch ihr rätselhaftes Benehmen – oder präziser – aus der Rolle Fallen wird nun deutlich: Innerhalb eines Gartenempfangs erkennt man die sich in die Erde grabende Dame im blauen Abendkleid oder nimmt die Kinderpuppe wahr, die sich eine andere Society-Lady vor dem Ausgehen in den Strumpf stopft. Und gerade auch die überrunden Büstenhalter, die eine andere Protagonistin in einer von Yücetas’ Bildwelten kritisch im Spiegel an sich betrachtet, spielen hintersinnig mit dem Begriff des Authentischen: Was heute noch undenkbar erscheint, könnte sich schon morgen als breitenwirksamer Modetrend etabliert haben.

Info English:
To capture the mere instant moment with just one photo, this documentary approach is hard to find in the work of Cem Yücetas. Using elaborate compositions of profound beauty, he almost always constructs profound beauty which brings back our own reality into our mind. The coincidence of the moment remains excluded, not even the subordinated detail is unplanned in his digital assembled imagery. In 2014, Cem Yücetas presented his new photographic works, mainly playing with conventional notions of social conventions and everyday actions. In nine of his most ornate simulations of possible realities, he creates a panopticon principle of social manners and behavior, but ultimately, however, they only act authentically. Nestled in scenes of flawless perfection, the actual absurdity of the plot, going on in front, only conveys slowly. In combination with the self-evident, the people and in his staged moments occur, it is precisely the intimacy and reputable charisma of the setting, which suggests carelessness but ultimately seems unusual or even disturbing. Completely strange behavior patterns first appear as real forms of behavior. Only at a second glance, there is something convey from the aesthetics of a beautiful appearance. Something that shows, that not only the protagonists – each caught in their own reality – completely act past each other. What seems inconceivable today, might established itself as a contemporary fashion trend tomorrow.

nektar_2014_authenticum_04nektar_2014_authenticum_05nektar_2014_authenticum_07nektar_2014_authenticum_08nektar_2014_authenticum_06nektar_2014_authenticum_02nektar_2014_authenticum_01